Starter

Pflegevolk nach Bruder Adam

Meine Wirtschaftsvölker werden in der modifizierten 12er-Dadantbeute geführt. Ein starkes Volk (vornehmlich mit 2-jähriger Königin am Heimstand) bekommt über Absperrgitter einen zweiten Brutraum. Diesen bestücke ich wie folgt: In die Mitte kommen 10 gedeckelte Brutwaben mit aufsitzenden Bienen aus starken Spendervölkern, eingerahmt von zwei Honig-/Futterwaben. Falls keine Tracht oder nur Läppertracht herrschen sollte, wird stetig mit Honig gefüttert. Nach 7 Tagen breche ich alle Weiselzellen im oberen Brutraum. Hier ist genaues Arbeiten gefragt, denn eine übersehene Zelle macht die ganze Serie zunichte. Nach weiteren 2-3 Tagen „kotzt“ das Volk regelrecht Jungbienen.

Viele Bienen auf engstem Raum – das Erfolgsrezept für Pflegevölker!

Die aufkommende Schwarmstimmung im unteren Brutraum wirkt sich zusätzlich positiv auf die Pflegebereitschaft aus. Die obere Brutzarge wird an die Stelle des unteren Brutraumes gestellt. Aus dem Volk suche ich die Königin heraus und stoße zusätzlich von den Brutwaben mit offener Brut die Bienen zum Pflegevolk. Jetzt besitzt das Pflegevolk nicht nur ausreichende Vorräte in Form von Honig und Pollen, sondern auch ein Übermaß an pflegebereiten Ammenbienen. Hinzu kommen die Flugbienen des Spendervolkes, das einfach auf einem neuen Boden an einen anderen Platz am Stand gestellt wird.

Nach kurzer Wartezeit bekommt das Pflegevolk den Zuchtstoff. Dabei gebe ich max. 30 Zellen zur Pflege. Es besteht keine Gefahr, dass die kleinen Maden in den ersten Stunden vernachlässigt werden, da der Futtersaft der Ammenbienen ohne Zeitverlust an die Larven verabreicht wird. Nach 6 Tagen sind die Zellen gedeckelt und kommen bis kurz vor dem Schlupftermin in den Brutschrank. Vorteil: Keine Gefahr, dass die Zellen bei guter Tracht verbaut werden. Außerdem brauchen sie nach der Verdeckelung „nur“ noch eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die im Brutschrank gut gewährleistet werden kann.

Starter ohne Wartezeit (nach Jos Guth)

Als zweites zuverlässiges und jederzeit schnell einzuleitendes Verfahren nutze ich die Honigräume überstarker Völker zum anbrüten der Weiselzellen. Hilfreich ist es, wenn das „Startervolk“ etwas abseits von den restlichen Wirtschafsvölkern steht, um ein Vagabundieren und Einbetteln der Bienen des weisellosen Starters bei benachbarten Völkern zu vermeiden. An den Platz des ausgewählten, mindestens mit zwei Honigräumen ausgestatteten Wirtschaftsvolkes kommt ein neuer Boden. Darauf lege ich ein Absperrgitter, um Jungköniginnen auszuschließen, die von weisellosen Einheiten magisch angezogen werden. Nützlicher Nebeneffekt:Es gelangen auch keine Drohnen in den Honigraum, die dort später – nach dem Rückbau – freigelassen werden müssten.

Auf den Boden mit Absperrgitter stelle ich die Honigräume mit einem weiteren Absperrgitter und einer Leerzarge. Von allen Brutwaben mit offener Brut werden, ohne auf die Königin Rücksicht zu nehmen, die Bienen in die Leerzarge abgestoßen. Sollte die Königin dabei sein, findet man sie auf dem Absperrgitter. Sie kommt natürlich zurück in den Brutraum. Da die Bienen ins dunkle streben braucht es max. ein paar Rauchstöße und die Leerzarge kann vom Starter abgenommen werden. Alle Flugbienen aus dem Wirtschaftsvolk, welches einfach an einen anderen Platz am Stand gestellt wird, verstärken den Starter noch zusätzlich.

Zustand des Volkes: Viele Bienen und vor allem pflegebereite Jungbienen befinden sich mit ausreichend Vorräten im Honigraum und sind hoffnungslos weisellos. Der nach etwa 2 Stunden eingehängte Zuchtrahmen wird dankbar angenommen und gepflegt.

Nach 24 Stunden entnehme ich die angepflegten Weiselzellen dem Startervolk und baue es wieder zusammen. Die Zellen kommen in Wabentaschen vor der Königin geschützt zur Weiterpflege in Bruträume starker, weiselrichtiger „Finisher“-Völker. Sie werden sich jetzt fragen: Warum in den Brutraum und nicht – wie vielfach empfohlen – über Absperrgitter in den Honigraum? Ganz einfach: Zwischen offenen Brutwaben herrscht das optimale Klima (auch bei Temperaturrückschlägen) und es finden sich ausreichend Ammenbienen zur Weiterpflege. Außerdem ist es noch nie vorgekommen, dass die Zellen so verbaut wurden. Nachdem die Zellen nach 6 Tagen verdeckelt sind, kommen sie bis kurz vor dem Schlupftermin in den Brutschrank.

Begattungseinheiten

Junge Königinnen schlüpfen bei mir grundsätzlich nicht im Brutschrank, sondern unter natürlichen Verhältnissen bei Bienen und schlüpfender Brut in ihren Begattungsvölkern. Nach dem Verdeckeln der Weiselzellen am 6. Tag weiß ich, wie viele Zellen verschult werden müssen und kann entsprechende M+-Einheiten herrichten. Die überwinterten Einheiten liefern jetzt ausreichend Brut- und Futterwaben. Die Herausforderung: Die Begattungseinheiten nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark zu bilden. 4 Waben, davon 2-3 verdeckelte Brutwaben und 1-2 gute Futterwaben mit entsprechendem Bienenbesatz bilden gute Startbedingungen. Wenn offene Brut vorhanden ist, werden natürlich Nachschaffungszellen angelegt. Nach dem Ausreißen erfolgt die Neubeweiselung mit den schlupfreifen Zuchtzellen. Hier gehe ich auf Nummer sicher: Wird eine Nachschaffungszelle übersehen, schlüpft trotzdem die „Edelzelle“ aufgrund der zeitlichen Einteilung zuerst. Die junge Zuchtkönigin sorgt dann dafür, dass keine Nebenbuhlerin schlüpft.

Vor der Abfahrt zur Belegstelle wird der Schlupf kontrolliert und ggf. die junge Königin mit einem kleinen Farbtupfer markiert. Je nach Trachtsituation auf der Belegstelle wird eine Futtertasche mit Futterteig eingehängt.